· 

Raroia

Der Wind bläst mit 18-22kn von ESE ziemlich stark als ich den für seine starke Strömung und seine stehenden Wellen bekannte einzige Pass im Norden des grossen Hao-Atolls verlasse. Doch wie bei der Einfahrt kann ich die wenigen stehenden Wellen, die mitten im mit 4kn auslaufenden Strom stehen, leicht ostwärts umfahren. Von da weg ist es tolles Raumschot-Segeln durch die ganze Nacht mit 7-8kn über Grund. Im Morgengrauen kommt die Südspitze von Raroia in Sicht. Die bisher etwa 2 bis 2,5m hohen Wellen schwellen plötzlich auf 3m an. Ich nehme Kurs auf den Pass und werde von den Wellen mit bis zu 11kn Fahrt geschoben - das ist Schallgrenze für mein Boot und es scheint in einem einzigen Schaumteppich zu schwimmen!

 

Auch der Raroia-Pass ist problemlos. Die einlaufende Strömung trägt mich mit 1,5 bis 2kn in die Lagune. Nun folgt ein langer Slalom um Korallenköpfe quer über die weitläufige Lagune. Aber dank guter Satellitenbildern im  Open CPN-Navigationsprogramm und einem ständigen Ausguck ist auch dies mittlerweile recht einfach und sicher. Danke, Bruce! Siehe brucebalan.com/chartlocker

 

 

Als der Anker neben meinen Freunden auf Pakia Tea  fällt, habe ich 180sm in 25h zurück gelegt. Nach einem Mittagsschläfchen laden die Nachbarn mich zu Pizza und einem Harry Potter Film ein. Ein perfekter Abend, wäre da nicht mein missglückter Versuch mit einem Bananenbrot gewesen, verbrannt und mit einer Konsistenz, die an einen Bleibarren erinnert...

 

Die südöstlichen Motus sind ziemlich wild und es gibt noch viel ursprüngliche Vegetation und dementsprechend viele nestende Seevögel zu beobachten. Ich verbringe einige entspannte und glückliche Tage hier in Raroia mit der Pakia Tea Familie. Wir laden uns gegenseitig zu Mahlzeiten an Bord ein und ich spiele im Wasser mit Keanu auf dem Kajak und seinem Schwimmteil. Es fühlt sich super an, wieder mal ein Kind zu sein und ja, ihm hat's auch Spass gemacht... Im Gegensatz zu mir möchte er gleich nach dem Mittagessen weitertollen. 

Ich brauche aber erst ein Schläfchen aus dem ich durch einen aufgeregten Funkspruch geweckt werde. Sie haben direkt unter ihrem Boot eine Gruppe von Riffmantas entdeckt. Ich flitze gleich rüber und wir alle lassen uns mit Schnorchel, Taucherbrille und Flossen ins Wasser sinken, wo bis zu neuen Mantas in Zeitlupe an uns vorbei schweben und wir alle in einer riesigen Wolke von Kleinkrebsen treiben, die die Mantas gierig in ihrem Schlund verschwinden lassen. Erst lassen sie uns nur bis etwa 10m herankommen, aber am Ende können wir fast ihre Flossenspitzen berühren! Tom und ich machen einige tolle Bilder und Videoaufnahmen. Er vergleicht die Aufnahmen der Bäuche mit einer Datenbank und kann so elf verschiedene Individuen identifizieren. Die Muster der schwarzen Punkte auf ihrem weissen Bauch sind so individuell wie unsere Fingerabdrücke.

Wir sind alle verblüfft von dieser einmaligen Erfahrung!

 

 

Wir verholen uns in den Nordosten des Atolls, wo es auf einer kleinen Koralleninsel eine Gedenktafel gibt. Hier strandete im Jahr 1947 Thor Heyerdahl's Kontiki-Expedition. Wir zollen unseren Respekt, indem wir neben den vielen norwegischen und schwedischen Flaggen auch eine alte tibetische Gebetsflagge und eine aus einem angeschwemmten Fischernetz und Bambusstangen angefertigten Hängematte aufhängen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0