Don't worry, be happy

Das Boot liegt komplett still im Wasser, unsichtbar gehalten von Anker und Kette. Weit draussen auf dem Riff kann ich einzig die Brandung hören. Der Himmel ist klar und der Mond fast voll. Genau über mir leuchtet er wie eine starke Lampe in einer riesigen dunklen Halle. Das Boot wirft auf dem Grund einen Schatten im weissen Sand fünfzehn Meter unter mir. Das Meer ringsum leuchtet in einem toten Licht. Es ist eine mystische, etwas schaurige Atmosphäre, die mich tief ausatmen und entspannen lässt. 

 

Später in der Nacht wache ich auf und schaue in den sternbedeckten Himmel durch die weit geöffnete Luke über mir. Der Mond ist unter gegangen hinter den am hellsten leuchtenden Sternen kann ich schwache und noch schwächere erkennen, die dem Raum eine unglaubliche Tiefe geben. Der alles umfassende Raum, vollständig unbefangen und sogar gleichgültig gegenüber den Mühen aller fühlender Wesen darin. Stille und Frieden hier.

 

Französisch Polynesien bremst dich. Raum und Zeit weiten sich unendlich aus. Die Bewohner dieser so schönen wie unterschiedlichen Inseln beeindrucken mich mit ihrer entspannten und ruhigen Art, immer bereit in herzliches Lächeln auszubrechen. Zuweilen etwas reserviert, aber im Allgemeinen gutherzig, neugierig, freundlich und ganz einfach herzlich sind weitere Adjektive, die mir in den Sinn kommen. Güte ist definitiv unterbewertet in unserer gegenwärtigen Welt.

 

Klingt wie im Paradies? Ist es auch oft. Aber COVID hat auch hier vieles verändert. Der Besucher spürt oft Argwohn und es zeigt sich bisher wohl eher schlafende oder unterdrückte Fremdenfeindlichkeit, speziell auch gegenüber den Fahrtenseglern. Vielleicht ist das verständlich, weil viele Segelboote normalerweise zu dieser Jahreszeit Richtung Westen und Süden segeln zu den Cookinseln, Fiji, Tonga, Neuseeland, Australien oder weiter nach Südostasien, um die Pazifische Wirbelsturmzeit zu umgehen. Viele von uns haben entschieden zu bleiben und zwischen diesen wunderbaren Inseln zu kreuzen in der Hoffnung, dass wir in sechs Monaten unsere Reisen fortsetzen können. Historisch gesehen ist ihre abweisende Reaktion umso verständlicher, weil ihnen Europäer Krankheiten, Atomtests und Kolonialismus gebracht haben. Diese haben ihre Kultur stark beeinträchtigt oder sogar ausgelöscht. 

 

Aber Französisch Polynesien begrüsst wieder - und mit dem kürzlichen Anstieg an Fällen muss man sagen immer noch - den Tourismus, weil ein grosser Teil ihrer Wirtschaft mehr oder minder stark davon abhängt. Auch wenn es kompliziert ist, der internationale Flugverkehr ist und ich war sehr erfreut, dass meine Tochter für einige Wochen zu Besuch kommen konnte. Weil ihre Flüge teilweise annulliert wurden, musste ich von Ua Pou in den Marquesas schnurstracks nach Papeete auf Tahiti segeln, um sie von dort abzuholen. Mit günstigem Wind flog Moira förmlich übers Wasser und stellte einen neuen Rekord auf: 800sm in 100h oder eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8kn!

 

Gemeinsam segelten wir zurück und gegen den Wind zu den Tuamotus und besuchten mehrere Atolle wie Toau, Fakarava, Faaite und Tahanea. Tara konnte viele Muscheln, Schneckenhäuschen und Kokosnüsse sammeln. Im Südpass von Fakarava konnten wir mit Haien tauchen, sahen Stachelrochen, Schildkröten, unzählige Rifffischarten, Delfine und ganz am Schluss kurz vor der Hafeneinfahrt von Papeete sogar noch eine Familie Buckelwale. Faszinierende Wesen!

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