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Panamakanal Durchfahrt

Am 28. Mai morgens früh treffen unsere Kanallotsen am Ankerplatz vor der Marina ein, wo wir die Nacht verbracht hatten. Auf jedes Boot kommt ein Lotse, obwohl die drei Boote als Paket durch die Schleusen fahren. Derjenige in der Mitte hat das Kommando und die Verantwortung. SV Spacegrazer, SV Windchase, and SV Moira motoren unter der Centenario Brücke hindurch und holen den Stückgutfrachter ein, mit dem wir durch die Schleusen fahren sollen. Wir sind quasi das Füllmaterial.

Diese Brücke wurde erst vor Kurzem eröffnet und soll an die Eröffnung des Panamakanals vor hundert Jahren erinnern. Sie ist die dritte Brücke über den Kanal, die damit Mittel- und Südamerika für den Strassenverkehr verbindet.

 

Vor den Gatunschleusen angekommen vertäuen wir unsere Boote mit vielen Fendern dazwischen und die grössten auf der Aussenseite, um unsere Rümpfe vor den rauen Schleusenwänden zu schützen, was auch fast passiert wäre… Als Floss fahren wir in die Schleuse ein und die riesigen genieteten Schleusentore schliessen sich langsam und leise hinter uns. Unglaublich aber wahr, dies sind immer noch die Originaltore von 1913 in täglichem Gebrauch. Was für beeindruckende Ingenieursarbeit dieses Ehrfurcht erregende Bauwerk erschaffen hat, ganz zu schweigen davon welche Anstrengung und Schmerz nötig waren, um diesen Kanal in tropischem Klima zu graben!

 

Der Schleusenarbeiter wirft die Affenfaust (ein ballförmiges Gewicht am Ende einer dünnen Leine) herüber, an der wir die dicken Leinen befestigen. Er zieht diese zu sich an den Schleusenrand und belegt sie auf einem der grossen Poller. Wir können sie dann straff ziehen und unser Floss in der Mitte der Schleuse halten. Diese Leinen müssen ständig dicht geholt beziehungsweise beim Herunterschlugen gefiert werden. In der zweiten Schleuse ist unser Mann am Land etwas langsam mit belegen und die Strudel in der Schleuse treiben uns gefährlich nahe an die gegenüberliegende Schleusenwand, weil wir unsere Leine nicht dicht holen können. SV Windchase wird dabei um ein Haar die Windfahnensteuerung am Heck beschädigt. Glück gehabt, alles gut gegangen. Aber anschliessend geht viel schnelles und lautes Spanisch zwischen den Lotsen hin und her - wohl besser habe ich nichts verstanden!

 

Nachdem wir die dreistufige Schleuse und ungefähr 50m erklommen haben, kommen wir im Gatunsee mit Verspätung an. Dieser ist künstlich angelegt und ist in vieler Hinsicht die Lebensader dieses Landes. Es dient dem internationalen Schiffsverkehr auf dem Weg in den nächsten Ozean sowie als Frischwasservorrat und das Kraftwerk am Staudamm versorgt den Kanal und das Land mit elektrischem Strom. Wie wir selbst erfahren können, ist dieser See auch ein Naturpark für viele Pflanzen und Tiere. Denn es gibt entlang seiner vielen Verästelungen keine menschliche Siedlung und privater Bootsverkehr und Fischerei sind verboten.

 

Unser Frachter dampft davon, um sein Zeitfenster beim Abschlössen in den Pazifik noch am gleichen Tag nicht zu verpassen. Leider können wir nicht mithalten und unsere Lotsen werden von der Kanalleitung aufgefordert, uns an einer Lotsenboje in Gamboa für die Nacht zu vertäuen und die Kanalfahrt am nächsten Tag fortzusetzen. Es gibt an diesem Tag nur wenig Schiffsverkehr und von den nachfolgenden Schiffen ist keines geeignet für uns. Jedes zu grosse oder mit Gefahrgut wie Flüssiggas oder Öl beladene Schiff ist nicht geeignet. Im Kanal zu übernachten stellt sich als unerwarteter Segen heraus, weil die Nacht sehr angenehm und ruhig ist. Mal abgesehen von den Mücken gibt es viele Vögel und sogar ein Krokodil schwimmt an unseren Booten vorbei.

 

Am nächsten Tag werden neue Lotsen vom grossen Lotsenboot mit punktgenauem Manöver abgesetzt. Sie werden uns anleiten bei der Fahrt durch die einstufige Pedro Miguel Schleuse und anschliessend durch die zweistufige Miraflores Schleuse, bis wir auf dem Niveau des Pazifischen Ozeans sind. Aus der Schleuse kommend dampfen wir unter der Brücke der Amerikas (was ist die Mehrzahl von Amerika?) hindurch in den grössten Ozean auf dieser Erde, hinein in neues Kapitel meiner Abenteuer an Bord von Moira.

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