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Karibik, Teil 1

Barbados - no stress country!

 

Plötzlich geht alles sehr schnell: Der frische Passat und der Äquatorialstrom haben uns rasch über den Atlantik geschoben und als Barbados in Sicht kommt, sind wir alle noch gar nicht bereit für festen Boden, Menschen, Gewusel.

Im grossen Handelshafen von Bridgetown betreten wir zum ersten Mal nach 11 1/2 Tagen wieder festen Boden und wie immer fühlt sich das erst seltsam an - sehr hart und irgendwie immer ein bisschen zu weit weg…

Die Beamten von der Einwanderungs- und Gesundheitsbehörde bleiben sogar über Dienstschluss, um uns einzuklarieren, nur der Zollbeamte ist schon weg und muss am nächsten Tag besucht werden. Wir verholen zum Ankerplatz in Carlisle Bay und freuen uns über die überall freundlichen und hilfsbereiten Menschen hier. „This is no stress country!“ meint einer dazu. 

Wir mieten ein Minibus-Taxi und fahren an die dem Atlantik zugewandte wilde Nordostküste und wandern dem Ufer entlang, was wunderbar ist. Über Strand, durch Gras, Gebüsche und unter Bäumen von Bath nach Bathsheba zu wandern ist doch anstrengender als gedacht. Das warme Klima und die Atlantiküberquerung machen sich bemerkbar.

Die Crew lädt mich zum Dank zu einem tollen Abendessen ein und am nächsten Tag geht Franzi von Bord, die zurück nach Deutschland reist. Lieben Dank an die Co-Skipperin!

 

Tobago

 

Wir beschliessen, die 120sm nach Tobago in einem Nachttörn zurückzulegen und laufen am nächsten Morgen in die Man of War Bay ein und klarieren in Charlotteville, einem ziemlich verschlafenen Kaff, ein. Das braucht immer ziemlich viel Geduld, aber über ein Dutzend Formulare ausfüllen musste ich nun wirklich noch nie! Zudem möchten die Beamten genau wissen, wo wir an jedem Tag sein werden…

In der Ankerbucht liegen etwa zwei Dutzend Segeljachten, die alle vor Kurzem den Atlantik überquert haben. Unseren Schweden fällt auf, wie viele Dänen hier liegen. Es gibt definitiv einen Überhang an freundlichen Blondschöpfen hier. Gleich neben unserem Ankerplatz gibt es ein Felsenriff, dass so reich an Leben ist, dass ich beim Schnorcheln bei jedem Untertauchen eine neue Fischart entdecke!

Elisabet und ich haben uns für einen Tauchkurs bei Richie, einem lokalen Tauchlehrer angemeldet.

Erst wird in einem Hotelpool geübt, der so trüb ist, dass sich Elisabet beim ersten Tauchgang darin verirrt.

Der erste Tauchgang im Meer ist ein wirklich tolles Erlebnis. Es fühlt sich beinahe selbstverständlich an, unter Wasser atmen zu können. Anton und Mirjam sind mit dabei und zu fünft erkunden wir für eine Weile das Riff vor der Castara Bay an der Nordwestküste Tobagos. Wir beobachten dabei eine Schildkröte und einen grossen Stachelrochen, nebst unzähligen Fisch- und Korallenarten.

Dazwischen machen wir am Morgen früh eine Regenwald-Wanderung mit Roachee, einem Naturführer. Er ist voller Energie und Geschichten. Er sieht Vögel lange bevor ich sie zu erkennen vermag und weiss dazu immer den Namen und ob es ein Männchen oder Weibchen ist! Auch über Blattschneiderameisen und alle möglichen Pflanzen kann er viel erzählen. Am Ende eines Besuches sind es auch immer die Begegnungen mit Menschen, die bleiben. Sie sind hier sehr freundlich, offen und neugierig, immer zu einem Spass aufgelegt. Englisch ist die Landessprache, aber wenn die Einheimischen untereinander reden, verstehe ich nicht mal Bahnhof! „Ya, man! ‚No’m’sayn?“ (Do you know what I am saying?)

 

Carriacou und die Tobago Cays

 

Nach erfolgreichem Abschluss des Tauchkurses beschliessen wir wiederum über Nacht ins neue Jahr und weiter nach Carriacou, der Insel nördlich der Gewürzinsel Grenada zu segeln. Die Nacht ist klar und lau, Wind und Welle sind sehr sanft und die Strömung treibt uns voran. Erst ist die Mondsichel zu sehen, anschliessend funkeln die Sterne und die Milchstrasse läuft vom Bug übers Masttop bis ans Heck. Was für ein Jahreswechsel, wunderbar! Wir alle geniessen unsere Nachtwachen und kommen am Neujahr einigermassen erholt an. Dies kann man von den Beamten beim Einklarieren eindeutig nicht behaupten. Einer hält den Dienst aufrecht, trägt sogar Uniform, der andere mault darüber, dass er an einem Feiertag arbeiten muss (für den sie uns einen Zuschlag verrechnen können) und auf weiteren zwei Stühlen hocken zwei jüngere Damen und pennen im herunter gekühlten Büro.

Nach kurzem Landgang bei 32 Grad in Tyrrel Bay - im Supermarkt gibt es gekühlte Luft und gratis WLAN, alles andere kann man sich nicht wirklich leisten - segeln wir im Lee von Carriacou gleich weiter bis Palm Island. Der weisse Sandstrand der kleinen Insel gleich neben Union Island lockt uns und wir lassen den Anker direkt davor fallen. Aber was für eine andere Stimmung als in Tobago hier herrscht! 

Ein Segler schneidet uns kurz vor Ankunft den Weg ab und ankert genau dort, wo wir wollten. Nachdem wir uns zwischen ihn und noch eine Jacht gequetscht haben und ich ihn trotzdem freundlich grüsse - keine Reaktion. Nach einem ersten Landgang stellen wir fest, dass gleich hinter dem Strand und  zwischen den Palmen und Bäumen die Liegestühle, Restaurants und Bars eines schicken Resort-Hotels beginnen und wir hier in unseren Badehosen definitiv nicht willkommen sind. Zurück auf dem Boot beschliessen wir, uns für die Nacht an einen anderen Ankerplatz zu verholen: mehr Platz und weniger Schwell. Auch hier begrüsse ich unseren Nachbarn wieder freundlich, der starrt mich ohne Reaktion an! 

Wir motoren ein paar Meilen weiter in die Tobago Cays, wohl einer der berühmtesten Orte in der ganzen Karibik. Hier gibt es hinter einem riesigen hufeisenförmigen Riff zwischen kleinen grünen Inseln einen Ankerplatz in glasklarem türkisfarbenen Wasser auf weissem Korallensand. Man teilt sich die Schönheit mit gefühlten hundert anderen Jachten, aber alles sehr friedlich. Die vielen Schildkröten und Stachelrochen scheint es jedenfalls nicht gross zu stören, dass wir hier sind und wir können sie beim Schnorcheln aus einigen Metern Entfernung beobachten. Hier lebt man wie im Ferienprospekt!

 

Zurück in Carriacou verabschiede ich mich von meiner Crew, die alle weiter in Richtung Südamerika reisen. Mirjam, Elisabet und Anton: Ganz herzlichen Dank, dass ihr mit dabei wart auf Moiras und meiner Reise. Ihr seid eine tolle Crew!

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