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Rundreise Kapverden

Sal

Nach unserer tollen und schnellen Überfahrt von den Kanaren fahren wir gegen Mitternacht in den Hafen und die Reede (Ankerplatz) von Palmeira auf der Insel Sal ein. Dies ist wider Erwarten überhaupt kein Problem, was auch dem noch fast vollen Mond und klaren Himmel geschuldet ist. Am anderen Tag fällt uns gleich auf, wie diesig die Luft hier ist. Wir befinden uns im Lee der Insel und nach einem Tag setzt sich alles zu mit rötlichem Staub. Unser erster Landgang bestätigt, was wir über die Inseln gelesen haben: Sie sind definitiv eher afrikanisch als europäisch geprägt. Die meisten Einwohner sprechen kreolisch, etwas portugiesisch und wenige etwas englisch. Aber alle sind sehr freundlich und wir schlagen uns durch. Das Leben ist sehr einfach und es muss wohl nicht leicht sein, hier seinen Lebensunterhalt bestreiten zu müssen.

 

Boa Vista

Auf Boa Vista ankern wir südlich des Hauptorts Sal Rei und zwischen der kleinen vorgelagerten Insel in türkis farbenem Wasser und vor einem tollen weissgelben Strand, wo wir einigermassen vom Atlantikschwell geschützt liegen können. Wir lassen das Dingi zu Wasser, aber niemand will so richtig ans Land, denn in Sal haben wir uns alle Kapverdische SIM-Karten mit Daten besorgt. Wir haben also alles, was wir brauchen um zu surfen - im Internet. Oder gibt es noch andere Gründe, an Land zu gehen?

So bleibt das Dingi auch über Nacht am Heck vertäut. Es löst sich aber leider (oder hat da jemand doch etwas nachgeholfen?) Und es geht schon mal auf Kurs Karibik… Um 23 Uhr bemerke ich den Ausreisser und wir nehmen mit zwei Suchscheinwerfern die Verfolgung auf. Aber Mitten in der Nacht ein Dingi auf dem offenen Ozean zu finden kommt der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen ziemlich nahe!

Kein Glück, nur Ärger über die eigene Unvorsichtigkeit und so winken wir am anderen Tag ein Boot von der Kitesurf-Schule heran, welches uns an Land bringt. Bei der Polizei wollen wir Anzeige erstatten. Wir werden in den Warteraum gewiesen, wo ich nach 1,5h meinen Hintern platt sitzen langsam nervös werde. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie das hier läuft. Schliesslich spreche ich den Polizisten an, der etwas Englisch kann. Nach einigem Hin und Her nimmt er unsere Angaben auf und ist sehr freundlich. Doch eine Kopie der Anzeige will er mir nicht geben und auch mit dem Telefon darf ich kein Foto davon machen! Aber genau dies brauche ich natürlich, um den Schaden bei meiner Versicherung geltend zu machen…

Am nächsten Tag geht die ganze Crew für ein paar Kitesurf-Lektionen an Land. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten, den Kite unter Kontrolle zu bringen, absolvieren wir alle erfolgreich die Trockenübungen. Beim nächsten Mal geht’s ins Wasser! Es ist erstaunlich, wie wenig Kraft und wie viel Feingefühl es erfordert, den Drachen fliegen zu lassen. Nach einem Strandtag mit allem was dazu gehört - Stichwort Strandbar - sind wir abends alle erfüllt zurück an Bord. Die Crew entscheidet, einen Nachttörn nach Sao Nicolau zu unternehmen, der nächsten Insel in westlicher Richtung. Die Wellen haben etwas abgenommen und der konstante NE-Wind bläst uns mit im Schnitt über 7kn gen Westen.

 

Sao Nicolau

Kurz bevor wir das Südkap runden, um in den Ankerplatz vor dem kleinen Dorf Taraffal einzubiegen, werden wir von einem grandiosen Sonnenaufgang begrüsst. Während die Crew erst mal ausschläft, kann ich mit dem Dingi einer anderen Segeljacht mitfahren, um an Land einzuklarieren und für den nächsten Tag auch gleich wieder auszuklarieren. Man muss dieses Prozedere auf jeder Insel durchlaufen: Erst die Hafenpolizei finden, deren Aufgaben aber an gewissen Orten von der regulären Polizei wahrgenommen werden, sagt einem aber natürlich keiner vorher, dann hoffen, dass auch jemand im Büro ist und man nicht allzu lange warten muss. Warten scheinen sie hier zu einer Kunstform erhoben zu haben - eine gute Übung für uns hoch getaktete Europäer!

Ich organisiere uns auch noch einen ‚Aluguer’ (port. mieten), einen Fahrer mit offenem Pick-up, der uns am Nachmittag über die Insel fahren will und finde einen Fischer, der mich wieder rüber zu Moira fährt und verspricht, uns alle um 12 Uhr wieder an Land zu bringen. Ohne eigenes Dingi ist man in den Kapverden wirklich aufgeschmissen, weil es fast keine Häfen gibt, wo man direkt an einer Pier oder an einem Steg festmachen kann.

 

Sao Vicente

Eine richtige Marina gibt es jedoch in Mindelo mitsamt schwimmender Bar. Alles Segler unter sich und alle sind nach irgendwo unterwegs. Eine bunte Schar vom bärtigen Seebär jenseits der 70 bis zur Polo-Shirt-mit-Logo bekleideten Superyacht-Crew ist hier alles zu finden. Wir nehmen unser neues Dingi und Aussenborder in Empfang und auch ein Crewwechsel steht hier an. Alex verlässt uns und Elisabeth und Anton, Ärztin und Big Data Analyst für Spotify aus Stockholm vervollständigen unsere Atlantik-Crew. Nach einer Reihe von Arbeiten am Schiff und Einkäufen am Land legen wir mit frisch geschliffener Teak-Fussreling ab. Wir wollen schliesslich hübsch ankommen in der Karibik!

 

Fogo

Der Nachttörn bringt uns auf direktem Kurs nach Fogo. Hier gibt es nur einen kleinen (!) Hafen für ziemlich grosse (!) Handelsschiffe. Wir können vor dem Strand und etwas auf der Seite ankern.

Erster Schreckmoment: Die Landleine eines grossen Motorboots bricht und es driftet auf uns zu. Es kommt über unserem Anker zum Liegen - wir sind gefangen. Während wir auf den Eigner warten, läuft eine grosse griechische Charter-Motorjacht ein. Doch diese darf nicht festmachen, weil die Fähre erwartet wird. Zweiter Schreckmoment: Der Kapitän (bin nicht sicher, ob er diesen Titel verdient!) will sein Schiff im Hafen rückwärts wenden und rammt uns schier bis um eine Fenderbreite! Man sollte nie davon ausgehen, dass andere ihr Schiff im Griff haben!

Die Ankunft der Fähre am Abend zeigt uns, wie man professionell und rückwärts in den Hafen einfahren kann - no stress! Wie sie hier gerne sagen. Am nächsten Morgen früh um sieben werden wir durch laute Pfiffe am Land geweckt. Schreckmoment drei: Vor dem Hafen liegt ein grosser Frachter und will einlaufen und wir sollen Anker auf gehen und Platz machen. Kaum zu glauben wie der Kapitän es schafft sein Riesenteil an der Pier zu vertäuen.

Nun kann unserem Landgang nichts mehr im Wege stehen. Wir stellen einen Mann an, der den ganzen Tag über auf unser Beiboot und auf Moira aufpasst, während wir im Minibus von Papinha eine Fahrt zum Vulkan unternehmen. In der Caldera angekommen werden wir Zeuge der Gewalt der Erde: 2014 trat aus einigen Nebenkratern für drei Monate ein riesiger Lavafluss aus, der die Weinberge und die meisten Häuser im Hochtal unter sich begruben. Aber die Bewohner geben nicht auf und die Strasse und viele Häuser wurden auf der erstarrten Lava bereits wieder aufgebaut!

 

Brava

Am Nachmittag segeln wir bei halbem Wind (von der Seite) die kurze aber intensive Strecke nach Brava. Der Wind bläst mit über dreissig Knoten oder 7 bis 8 Beaufort in der Düse zwischen den zwei Inseln durch und die Wellen machen das Steuern und Kurs halten zum Kraftakt. In der Bucht von Porto da Furna angekommen, machen wir mit Buganker und zwei Landleinen übers Heck am Land fest. Diese Manöver involviert die ganze Crew, das Beiboot und zwei hilfsbereite Einwohner am Ufer und dauert etwa eine halbe Stunde. Dieses Hafenbier ist verdient!

Tags darauf fahren wir mit einem der allgegenwärtigen Minibussen nach Nova Sintra hinauf, zusammen mit zwei verschwitzten Fischern und zwei Eimern voll von Thunfischen, die mit einigen Stopps begleitet von Hin- und Hergerufe unterwegs direkt an wartende Hausfrauen verkauft werden. Eine olfaktorische Attacke der eher unangenehmen Art - da kommen auch das Dutzend Duftbäume am Rückspiegel des Fahrers nicht gegen an!

Der Hauptort ist wirklich sehr hübsch mit vielen Blumen und schön renovierten Häusern im portugiesischen Kolonialstil. Für einen Espresso werden wir zur Tankstelle geschickt, die auch ein Eisenwarenladen und Supermarkt ist und ganz hinten in der Ecke wirklich eine italienische Espressomaschine stehen hat.

Wir wandern auf der kopfsteingepflasterten Strasse drei Stunden hinunter bis nach Faja de Agua, einer tollen Bucht am Meer mit einer Handvoll Häusern und einer französischen Segeljacht vor Anker. Je abgelegener und abenteuerlicher desto besser für die Franzosen!

Zurück auf Moira sind alle mit letzten Vorbereitungen für die Atlantiküberquerung geschäftig: 2050sm oder 3800km sind es von hier bis Barbados, wo wir noch vor Weihnachten ankommen wollen!

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