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Passage Kanaren - Kapverden

Wir beobachten die Wettervorhersage um ein geeignetes Wetterfenster für unsere Vier-Tage-Passage zu den  Kapverden zu erwischen und entschliessen uns am Dienstag, 12. November auszulaufen. Erst wollen wir noch im nächsten Hafen kurz stoppen, um Diesel zu tanken, kommen aber zehn Minuten nach Schliessung der Tankstelle an und vom Tankwart ist keine Spur mehr zu sehen. Nicht einmal der Anruf eines freundlichen Hafenarbeiters kann ihn zur Umkehr bewegen. Feierabend ist Feierabend, wenn es die Offiziellen nur auch so genau nehmen würden mit der morgendlichen Öffnungszeit!

Die Düse zwischen El Hierro und La Gomera schiebt uns auf unserem Südsüdwest-Kurs mit bis zu 8 Beaufort und Wellen von 3,5m Höhe an. Für die Engländer ist das bereits ein Sturm, auf der deutschen Skala hingegen nur ein stürmischer Wind… Wir freuen uns über den Schub und Moira surft die Wellen mit bis zu 12kn bergab - ein neuer Rekord! Stunden später geraten wir in das Lee von Teneriffa mit ihrem über 3000 Meter hohen Berg Teide. Dieser hält den Wind wirksam auf, was bis zu 150sm (280km) entfernt noch spürbar ist!

Auch die folgenden Tage verlaufen seglerisch sehr angenehm und die Crew gewöhnt sich schnell an den bewegten Bordalltag und Seekrankheit ist (fast) kein Thema. Wir sind mit gutem Wind schnell unterwegs mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von über 7 kn. Nach 24 Stunden haben wir etwa 170 sm zurückgelegt, nach 50 Stunden die Hälfte und nach drei Tagen drei Viertel der Strecke von insgesamt 720sm bis Porto da Palmeira auf der Insel Sal, wo wir in die Kapverden einklarieren wollen. Wir hoffen, dass wir den Landfall noch vor dem Eindunkeln am Samstag, 16. November machen können. Bei Nacht in einen unbekannten Hafen zu fahren gehört definitiv nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen!

Wie der geneigte Leser feststellen wird, hat man auf See viel Zeit Berechnungen anzustellen und Prognosen aufzustellen. Aber natürlich kommt es fast nie so! Am letzten Tag nimmt der Wind ab, ist aber glücklicherweise noch genügend stark, dass wir weiter segeln können ohne den Motor zu starten. Nach vier Tagen und zehn Stunden haben wir die 720sm (1350km) zurückgelegt und lassen unseren Anker um Mitternacht am Samstagabend im Ankerfeld von etwa 30 Jachten im geschützten Hafenbecken von Palmeira auf Sal fallen. Die Hafeneinfahrt ist wider Erwarten kein Problem. Jetzt wird erst mal ausgeschlafen!

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