· 

Kanaren

Kaum auf Lanzarote aus dem Flugzeug ausgestiegen und auf dem Boot angelangt, geht es sofort los mit Vorbereitungsarbeiten: Einräumen, Crew begrüssen und einweisen (Willkommen an Bord, Mirjam und Franzi, an die Arbeit!), Holzablagen abschleifen und lackieren, letzte Werftarbeiten erledigen lassen, Segel vom Segelmacher in Empfang nehmen, Grosseinkauf Lebensmittel tätigen usw. Völlig erschöpft gönnen wir uns spät abends einen Veggie-Burger im nahegelegenen Hafenrestaurant, kochen mag niemand mehr. Eine Schar Kinder, Jugendlicher und auch viele Erwachsene haben sich für Halloween verkleidet und gehen von Boot zu Boot mit ihrer ‚Trick or treat‘ - Forderung.

 

Nach einem weiteren Tag voll mit Boat Projects kommt am Samstag, 2. November Mark aus Polen mit an Bord und nach einer ausführlichen Sicherheitseinweisung für die ganze Crew legen wir ab und segeln bis in die  Papagayo-Bucht im Südosten von Lanzarote. Bereits in der Nacht hören wir, dass die Ankerkette an einem Fels reibt und am Morgen bestätigt sich meine Befürchtung: Die Kette hat sich um einen grossen Fels gewickelt wie ein Tau um einen Poller! Mit einem morgendlichen Tauchgang auf 11m wickle ich die Kette wieder ab, aber an einer Stelle ist sie wirklich stark unter dem Stein eingeklemmt. Behutsam bringen wir das Boot in Stellung und ziehen in Rückwärtsfahrt vorsichtig an der Kette, die sich auch prompt befreit. Juhu! Grosse Erleichterung bei allen, vor allem aber beim Skipper, der bereits einmal einen Anker plus Kette opfern musste!

 

Wir segeln an diesem Tag 70sm bis Fuerteventura und am nächsten mit einem 100sm Sprung bis nach Puerto de Mogan im Südwesten von Gran Canaria. Die Marina hat sich toll entwickelt und ist gut im Schuss, seit ich das letzte Mal vor 25 Jahren hier war. Die nächste Etappe führt uns über ‚nur‘ 50sm oder etwa 8 Segelstunden nach Las Galletas im Süden von Teneriffa und am nächsten Tag weiter nach La Gomera, wo Moira wieder in der Marina San Sebastian liegt wie vor vier Jahren - Wow, was ich alles erleben durfte in der Zwischenzeit, siehe Blog! Unterwegs beobachten wir Delfine und die schwarzen gemächlich schwimmenden Pilotwale.

 

Auf Gomera gönnen wir uns eine Segelpause und mieten ein Auto. Spektakuläre Landschaften und verschiedene Klimazonen wechseln sich Schlag auf Schlag, je nachdem auf welcher Inselseite oder in welcher Höhe man sich befindet: Sonne am Meer und Nebel mit Nieselregen auf dem Berg. Das aus einem festen vegetarischen Menü bestehende Mittagessen geniessen wir in der Casa Efigenia, benannt nach der rüstigen 79-jährigen Wirtin, die ihre Gäste auch mal mit dem Löffel füttert! Nach einem Abstecher bei den (meist deutschen) Alt-Hippies am Strand von Valle Gran Rey geht es zurück auf Moira, wo wir umgeben sind von vielen Booten, die sich auf die Weiterfahrt über den Atlantik vorbereiten und von Chartercrews, die während einer Woche jeden Tag eine andere Insel anlaufen. Zwei ganz unterschiedliche Welten treffen hier aufeinander!

 

Auf der Fahrt nach El Hierro erleben wir eine weitere für das Segeln in den Kanaren so typische Acceleration zone: Man fährt bei wenig Wind aus der Gegenrichtung im Lee der Insel los und etwa auf halbem Weg kann man am Horizont viele Wellen und Schaumkronen erkennen. Höchste Zeit, die Segel zu reffen und Ölzeug und Rettungsweste anzuziehen! Schon geht es los mit über 30kn achterlichem Wind aus Nordost, der sich noch weiter beschleunigt, je näher wir El Hierro kommen. Moira fliegt mit bis über 10kn und lässt die Wellen an Deck spritzen. Ein nasses Vergnügen bei Sonne und Temperaturen bis 24 Grad!

 

Im Hafen von Puerto de la Estaca auf El Hierro liegen wir sehr unruhig, da sich ein alter Schwell aus südöstlicher Richtung bis in die Marina in die hinterste Ecke des Hafens schleicht. Am nächsten Tag verholen wir uns an dem von der Einfahrt entferntesten Platz und liegen sehr angenehm in der neuen, aber noch halb leeren Marina. El Hierro zieht uns in seinen Bann mit einem feinen Nachtessen im kleinen Restaurant ‚La Mirada Profunda‘ (der tiefe Blick), wo der Chef selber das Menü vorstellt und wir ihm anschliessend in der offenen Küche beim Zubereiten zuschauen können. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden wir uns anderntags von Mark. Danke, dass du dabei warst und uns mit deiner Erfahrung und Umsicht unterstützt hast! 

 

Am nächsten Tag kommt Alex an, der mit uns bis in die Kapverden segeln wird. Franzi, Mirjam und ich mieten uns ein Auto und machen eine Inselrundfahrt um diese faszinierende Insel mit ihren sehr unterschiedlichen Landschaften, die rauher wirken als noch auf La Gomera. Viele Ahs und Ohs, noch mehr Fotos und Videos und einen Kofferraum voll von Lebensmitteln später sind wir zurück auf Moira, von wo aus alle sogleich ins nahegelegene unüblich leistungsfähige WLAN-Netz der Hafenbar wandern um ihre digitalen Pflichten zu erledigen. Kommunikationszwang herrscht!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0