· 

Madeira nach Lanzarote

In Madeira kommt mein Gast Bill an Bord, ein Linienpilot aus Grossbritannien, der für eine Woche mit dabei ist und mit mir nach Lanzarote segeln wird. Vorerst segeln wir nur eine kurze Strecke zu den Ilhas Desertas, den verlassenen Inseln, einem Naturpark südöstlich von Madeira. Mehrere sehr schmale, sehr hohe und sehr lange Inseln in Nord-Südrichtung, die an die Klinge eines Brotmessers erinnern. Man muss sich vorher eine Genehmigung einholen, die zwar nichts kostet, aber ohne würde man prompt weg gewiesen. Denn es gibt nur einen Ankerplatz hinter einem Felsenriff, dass teilweise von den Wellen überspült wird. Dementsprechend werden wir an diesem Abend in den Schlaf geschaukelt - oder besser: immer wieder aus dem Schlaf.

 

Am nächsten Morgen setzen wir mit dem Dingi zum Landgang an. Kurz nach dem Aussteigen, aber noch bevor wir das Schlauchboot auf den Strand ziehen können, wird es von einer Welle erfasst und wir alle landen unsanft einige Meter weiter oben klatschnass auf den runden schwarzen Steinen sitzend. Kaum stehen wir wieder und haben uns an den festen Boden gewöhnt, ist auch schon einer der Wärter neben uns und fragt uns freundlich nach unserer Genehmigung. Er erzählt uns von der Insel und den Tieren hier und wir folgen dem mit Informationstafeln versehenen Weg. Leider kann man die Inselkrete nicht mehr besteigen, seit vor ein paar Jahren ein Felsrutsch den Weg zerstört hat.

 

Zurück auf dem Boot werden wir kurz von einer der sehr seltenen und vom Aussterben bedrohten Mönchsrobben besucht. Erst später fällt mir auf, dass meine Ankerboje sich mit Wasser gefüllt haben und gesunken sein muss. Beim genaueren Hinschauen fallen mir einige Bisslöcher daran auf… Ob da wohl jemand ausprobieren wollte, ob man das Ding fressen kann oder es sich mindestens zum Spielen eignet?

 

Die anderen Boote am Ankerplatz wollen auch weiter Richtung Kanarische Inseln. Wir sind die ersten, die Anker auf gehen. Statt eine weitere Nacht in der Koje herumzurollen, wollen wir lieber lossegeln. Für die nächsten Tage ist guter Nordostwind angesagt, den wir ausnützen wollen um die 250sm bis La Graciosa, der Insel nördlich von Lanzarote, durchzusegeln. Die erste Nacht verläuft relativ ruhig, der Wind ist noch nicht so stark und die Wellen sind höchsten einen halben Meter hoch. Als es wieder hell wird, dreht der Wind auf und wir reffen die Segel (reduzieren der Segelfläche durch einrollen). Bis am Nachmittag hat der Wind auf über 20kn aufgefrischt, was 5-6 Bf entspricht und die Wellen sind auf 2,5m angewachsen. Moira liebt diesen Kurs und ist bei leicht achterlichem Wind sehr schnell unterwegs. Wir laufen zwischen 7 und 9 Knoten in der Spitze. Bei dieser Geschwindigkeit beginnt sich mein fast 15 Tonnen schweres Schiff leicht und wendig wie eine Jolle anzufühlen (offenes, offenes Segelboot).

 

Am Ende der zweiten Nacht beschliessen wir den Kurs zu ändern und die nördlichste der Kanareninseln anzulaufen: Isla Alegranza. Morgens um 6 ist es noch stockdunkel und wir bergen die Segel, sobald wir im Lee der Insel ankommen, wo Wind und Wellen stark reduziert sind. Unter Motor und mit Scheinwerfer ausgerüstet laufen wir in die einzige Ankerbucht ein, den Blick fest auf den Tiefenmesser und die Seekarte gerichtet. Begrüsst werden wir von einigen aufgeschreckten Sturmtauchern, die sich lauthals über die Nachtruhestörung beklagen. Das kümmert uns wenig und ziemlich übernächtigt legen wir uns für einige Stunden schlafen. 

 

Diese Bucht ist gesäumt von einer senkrechten Felswand, in der viele Seevögel brüten, eine Möglichkeit an Land zu gehen, sehen wir nicht. Zudem steht auch hier in der Bucht immer noch ziemlich viel Schwell (Wellen) und deshalb beschliessen wir, weiter zu segeln zur ursprünglich vorgesehenen Ankerbucht Playa Francesca an der Südküste von Isla Graciosa. Dies ist eine Traumbucht mit hellem Sandstrand und darüber aufragenden dunklen Vulkanschloten. Der helle Sand ist direkt eingeflogen aus der Sahara, die nur etwa 100sm entfernt ist. Nicht etwa per Flugzeug, sondern der stürmische Ostwind hat ihn über die Jahrhunderte hierher verfrachtet. Hier liegen etwa ein Dutzend Segelboote vor Anker und wir treffen einige bekannte Gesichter wieder und machen eine Dingitour mit kleinem Schwatz bei jedem Boot.

Wir wandern und schnorcheln und schlafen aus. Bill zeigt seine Kochkünste - ein Engländer der sehr gut kochen kann!

Der letzte Schlag von 30sm bringt uns in den Hafen und Bill meistert gleich zwei Anlegemanöver sehr gut - erst an der Tankstelle und anschliessend noch an unserem Liegeplatz. Besten Dank und schön warst du dabei!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0