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Atlantik voraus!

Von Malaga bis Faro bin ich gemeinsam mit Alex, seiner Crew und deren HR 36 Fitzroy unterwegs. Highlights dieser Zeit sind für mich mein erster Einhand-Nachttörn, die Flussfahrt auf dem Rio Guadiana und die weitläufige Lagune von Faro mit der vorgelagerten Insel Culatra.

 

Wenn Segler von einem Einhand-Törn sprechen, meinen sie damit alleine unterwegs zu sein und durchaus beide Hände dabei zu benützen. Im Atlantik angekommen legen wir von Barbate gemeinsam mit zwei Booten die hundert Seemeilen bis Ayamonte zurück. Ich bin zwar alleine an Bord, aber Alex warnt mich per Funk vor Schiffen, die mir zu nahe kommen. Mein AIS-System funktioniert im Moment nicht und er lotst mich durch die zahlreichen Fischerboote, die an der Algarve im Nebel auf Thunfischfang sind. Ein absolut magischer Moment ist für mich, während eineinhalb Stunden durch einen riesigen Thunfischschwarm zu fahren! Nachts und bei Nebel kann man die Fische normalerweise natürlich gar nicht sehen, wenn es da nicht das fluoreszierende Plankton im Meer gäbe. Es wird zum Leuchten angeregt, wenn sich etwas in seiner Nähe bewegt. Die Fische sehe ich so als schwach leuchtende Schweife im Wasser! Ist leider unmöglich mit der Kamera einzufangen.

Der Rio Guadiana ist der Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal und mit dem Umland zu grossen Teilen ein Naturpark mit vielen Vogelarten, Fischen, Schildkröten und Alt-Hippies. Mit dem Segelboot ist er auf einer Länge von etwa 70km befahrbar - vorausgesetzt man schafft es, die Untiefen zu umfahren… zweimal rumpelt es und ich laufe auf Grund und muss warten, bis die Flut kommt und Moira wieder frei schwimmen lässt. Beim zweiten Mal in der Nähe von Pomarao neigt sich mein Boot 35 Grad und ich kann mich an Bord nicht mehr ohne abzurutschen bewegen. Ich mache dann einen auf Kapitän Schettino (denk Costa Concordia Unglück) und flüchte mit dem Dingi an Land, trinke Kaffee, esse zu Mittag und beobachte von der Restaurantterrasse, wie sich mein Boot langsam wieder aufrichtet.

Trotz diesen Aufregern ist der Fluss einmalig schön und ich beobachte viele Fisch- und Purpurreiher, Ibis, Blauelstern, Fische und Wasserschildkröten. Vielen Boaties gefällt es hier so gut, dass sie bleiben, einige sind dem Anschein nach sicher schon seit Jahren hier und haben ihre Boote nicht mehr bewegt.

Die Gezeiten mit einem Tidenhub von bis zu 2.5m diktieren die Reiseplanung und wir fahren unter Motor mit der Flut flussaufwärts und nutzen den Ebbstrom flussabwärts und auch am Ankerplatz muss man darauf achten, dass bei Ebbe noch etwas Wasser unter dem Kiel bleibt!

 

Im Schutz der Insel Culatra ankern wir in der Lagune von Olhao und Faro zusammen mit gefühlten hundert anderen Segelbooten. Aber hier ist genügend Platz für alle und am Strand kann man kilometerweit wandern und trifft nur wenige Menschen. In Faro verabschiede ich mich von Alex und seinem Vater, die ihr Schiff hier für eine Weile an Land stellen.

Allein segle ich nun weiter entlang der Algarve mit Zwischenhalt in der tollen aber teuren Marina in Lagos, von wo aus viele portugiesische Entdecker Richtung Afrika und Indien losgesegelt sind.  Ich ankere in Sagres, bevor es ums Cabo Sao Vicente nordwärts geht. Es ist die Südwestspitze Europas und von hier aus gibt es in allen Himmelsrichtungen für über 5000km nur Meer, bis man wieder auf Land trifft!

Von nun an geht die Reise gegen Wind und Wellen der portugiesischen Westküste entlang nordwärts bis Galizien. Gleich nach dem Kap begrüsst mich der offene Atlantik mit Zwei-Meter-Wellen von vorn - kein Problem für Moira, aber gewöhnungsbedürftig für mich.

In Arrifana lerne ich ein paar junge, sehr sympathische und sehr christliche Surfer kennen, die mit dem Camper-Bus von Surfspot zu Surfspot unterwegs sind und wie Jesus leben wollen. War Jesus auch Surfer?

In Sines ankert man direkt im inneren Hafenbecken und landet Ende Juli mitten im World Music Festival. Hier lerne ich ein irisches Paar kennen und zwei spanische Cousinen, die gemeinsam mit ihrem Kombi der Sommerhitze von Madrid entflohen sind. Gemeinsam hören wir die brasilianische Rap-Göre Flavia Coelho bis um 02.30 an!

 

Auf dem Weg nachLissabon und auch anschliessend ist es oft erstaunlich kühl, Seenebel zieht auf, die Wassertemperatur beträgt nur noch 18 bis 20 Grad und auch die Luft in Meeresnähe ist nie wärmer als etwa 23 Grad. Ins Wasser gehe ich nur noch mit Neopren-Anzug! 

Die Portugiesen beklagen sich allgemein über den kühlen Sommer, die Hitze findet derweil in Zentraleuropa statt.

Um Lissabon zu besichtigen bleibt mir leider keine Zeit, weil ich einiges am und ums Boot erledigen muss. Es kommt auf die Liste der Ort, an denen ich vorbeigefahren bin... und dann kommt auch schon Markus und wir segeln gemeinsam los Richtung Vigo. Er sammelt Seemeilen für seinen Hochseeausweis und wir üben auch einige Segel- und Hafenmanöver.

 

Der Wind bläst im Sommer an dieser Küste aus NW bis N, also ziemlich genau von vorn. Wir können manchmal mit spitzem Winkel motorsegeln um vorwärts zu kommen, aber einige Tage müssen wir in Nazaré im Hafen bleiben, bis sich Wind und Welle etwas beruhigt haben.

 

Peniche: Fischerhafen mit einer kleinen Marina. Hier ist der Bär los, weil gerade Sommerfest ist mit Feuerwerk, Lunapark, Essständen etc. Ein Highlight sind die vorgelagerten Berlenga-Inseln, deren Höhlen wir mit dem Dingi (Beiboot) befahren können. Toll!

 

Nazaré: Eine etwas brenzlige Hafeneinfahrt mit Wellen, die sich links und rechts mit Tosen an den hohen Molen brechen. Hier gibt es im Winter Wellen mit bis zu 20m Höhe auf denen gesurft wird! Mir reichen schon 2m… Nazaré ist ein schöner Fischerort und die ursprüngliche Siedlung Sitio auf dem überhängenden Felsvorsprung kann mit einer Standseilbahn besichtigt werden. Am nächsten Tag fahren wir mit lokalen Bussen nach Batalha und Alcobaça, um die spektakulären gotischen Kathedralen zu besichtigen. Das beste, was ich bisher an Gotik gesehen habe!

 

Figueira da Foz: Der Ort ist unspektakulär, aber die Marina in der Flussmündung ist ein guter Etappenort für uns.

 

Viana do Castelo: Anlegemanöver seitlich an Steg im Fluss mit Strömung und zwischen zwei Jachten mit vorne und hinten nur etwa 2m Platz... Das ist wohl das bisher schwierigste Manöver meiner bisherigen nautischen Karriere und bis auf ein leichtes Touchieren mit der Heckkante Backbord geht es gut. Viana ist ein sehr sympathischer Ort und wir gehen zusammen mit dem Schweizer Paar, das bei uns längsseits liegt, auf Stadtbesichtigung und essen.

 

Porto: Die lange Fahrt nach Porto müssen wir den ganzen Tag im Nebel zurücklegen. Erst vor der Flussmündung von Porto klart es kurz auf und gibt die Sicht auf die Einfahrt und die neue Marina frei, in der wir für zwei Nächte liegen können. Porto besuchen wir mit dem Tourbus und sind beeindruckt von den Granithäusern mit bunt gekachelten Fassaden und den vielen Brücken. Monsieur Eiffel war nicht nur in Paris tätig! Im Fischerdorf neben der Marina essen wir sehr gute und frischen gegrillte Sardinen und Tintenfisch.

 

Vigo: Die Landschaft ändert sich und die tief eingeschnittenen Buchten der galizischen Rias öffnen sich mit den vorgelagerten Inseln, die die Buchten vor den heftigen Atlantikstürmen schützen. Vigo ist die grösste Stadt in der Gegend und ein wichtiger Etappenort. Markus reist ab und ich bin für ein paar Tage alleine unterwegs. Erst mal zwingt mich das schlechte Wetter zu ein paar Hafentagen. Auch recht, ich war sehr viel unterwegs in den letzten Monaten und selten 2-3 Tage am gleichen Ort. Zeit, um Arbeiten am Boot zu erledigen und etwas zu relaxen.

 

In 75 Tagen haben wir etwa 1700sm (3200km) zurückgelegt. Dies sind zirka 24sm pro Tag, wofür wir 4 Stunden brauchen. Gut die Hälfte der Strecke konnten wir segeln, für den Rest mussten wir den Motor zu Hilfe nehmen. Das ändert sich hoffentlich in den nächsten Wochen mit den Überfahrten zu den Azoren, Madeira und den Kanaren.

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