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Endlich unterwegs!

Nach zehn arbeitssamen Tagen durch die Werftarbeiter und mich bin ich bereit zum Auslaufen. Die meisten Punkte auf der langen Liste wurden durchgestrichen, aber wie fast immer gibt es einen Aufreger in letzter Minute: Der elektronische Kartenplotter versagt seinen Dienst nach einem versuchten Software-Update. Ohne Kartenplotter unterwegs zu sein, ist etwa wie mit dem Auto ohne Navi in einem fremden Land unterwegs zu sein. Zum Glück kann mein iPad in die Bresche springen und ich bin bereit für die erste längere Einhand-Etappe über den Golf du Lion direkt nach Cadaques in der Nähe der französisch/spanischen Grenze (denke Salvador Dalí).

Ganz wie es zu dem exzentrischen Künstler passt ist auch das Wetter etwas surreal… Vor einem aufkommenden Tramuntana (starker NW Wind) fahre ich unter Rumpfgeschwindigkeit (Höchstgeschwindigkeit) in eine Nebelbank. Nach einem sehr langen Segeltag von 120sm fällt der Anker in der Bucht von Cadaques. Ich spare vor Anker 70€, indem ich NICHT an einer der ausgelegten Bojen festmache.

Am nächsten Tag wird mein neuer Spade Anker bei Winden bis 35 Knoten oder 7 Beaufort oder wie bei 70 km/h den Kopf aus dem Wagenfenster halten. Er hält grossartig während Moira wie wild schwoit!

Cadaques ist eine sehr hübsche kleine Stadt mit einer speziellen Kathedrale. Die erste christliche Kirche, die ich kenne, wo ein ganzer Seitenflügel eingerichtet ist als Ruhezone komplett mit grossem Teppich und Meditationskissen darauf. Eine gute Gelegenheit sich zu erden nach einer ziemlich schaukligen Überfahrt. Und dann gibt es natürlich noch Dalí’s Wohnhaus zu besichtigen - wenn einem die Massen nichts ausmachen. Tun sie mir aber…

Die nächsten Tage folge ich der Costa Brava in südwestlicher Richtung, angetrieben vom unermüdlichen Tramuntana. Meine erste längere Einhand-Seestrecke ist ein Erfolg: Alles neue Gerät hat gehalten, inklusive meines Rückens.

Barcelona war ganz oben auf meiner Besuchs-Liste und ich werde von dieser freundlichen und trendigen Stadt bereits nach wenigen Stunden angesteckt - jetzt ist sie ganz oben auf meiner Liste von Lieblingsorten! Ich schlendere durch die Gassen, esse mit Familie und Freunden in Tapas Bars, ruhe meinen Rücken aus und erledige einige Arbeiten am Boot.

Meine erste Crew dieses Jahr trifft ein und am nächsten Tag geht’s bereits los Richtung Menorca auf einen Nachttörn. Nicht ideal für Landratten, aber glücklicherweise ist ein zweiter Skipper dabei. Eine Stunde aus dem Hafen von Barcelona werden wir von einer Schule Delfine begrüsst: Etwa zehn Stück schwimmen während etwa zwanzig Minuten vor unserem Bug. Ich versuche noch grössere Erwartungen der Crew für den Rest der Reise zu zerstreuen indem ich darauf hinweise, wie aussergewöhnlich dieser Besuch im Bezug auf Zahl und Dauer ist. Immer eine Freude wenn sie vorbei kommen!

Nach der Ankunft in der Cala d’Algaierens an Menorcas Nordküste folgen wir einem tollen Rhythmus von Ankern in einer wunderschönen Cala (Bucht) komplett mit Sandstrand, türkisfarbenem Wasser, sowie anderen Booten und Touristen am Strand. Am nächsten Abend machen wir in einem Hafen fest, gehen aus zum Essen und versorgen uns in nahegelegenen (hoffentlich) Supermärkten. Die Balearen haben einige der schönsten Naturhäfen weltweit, piktoreske Städtchen und gutes Essen. Nach Besuchen auf Menorca, Mallorca und Ibiza segeln wir direkt nach Valencia bei fünf Windstärken raumem Wind, Sonnenschein und angenehm warmen Temperaturen. Besser geht segeln nicht!

Valencia is überraschend gross und ich brauche 17845 Schritte um von der Marina bis zur Kathedrale im Stadtzentrum zu gelangen (sagt mein iPhone). Im Kunst- und Wissenschafts-Park stehen einige weltberühmte Architektur-Perlen von Santiago Calatrava und das Stadtzentrum mit seinen vielen prachtvollen Bauten im spanischen Modernisme-Stil (Art Deco) steht diesem in nichts nach. Valencia war auch Austragungsort des 32. America's Cup, welchen das Schweizer Alinghi-Team gewann.

Unsere Crew schrumpft zu meiner guten Freundin Gabriela und mir zusammen auf der nächsten Etappe nach Malaga. In Alicante ruhen wir uns für drei Tage aus. Hier sind alle damit beschäftigt, die Fiesta de San Joan nächste Woche vorzubereiten, die Mittsommer-Feierlichkeiten zum Johannistag. Riesige farbenfrohe Figuren aus Holzlatten und Papier Maché werden auf allen Plätzen und Flossen im Hafenbecken aufgebaut. Ein tägliches lautstarkes Feuerwerk um zwei Uhr nachmittags erinnert die Stadtbewohner vor der Siesta, dass es bald losgeht: Am 24. Juni werden alle diese Figuren verbrannt, es gibt einen Wettbewerb der Feuerwerker, der Schönsten in der Stadt und alle feiern auf der Strasse Tag und Nacht. Uns reichen da die Vorbereitungen schon…

 

Alicante war dreimal Etappenort des Volvo Ocean Race und es gibt im Hafen ein Museum über eines der härtesten Segelrennen der Welt mit einem Originalboot und einem Simulator!

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