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Achtung, fertig und l...

Das Boot stand zum Verkauf, ich hatte viel Ausrüstung und Bücher verkauft oder verschenkt und immer noch viel wieder nach Hause geschleppt in der Überzeugung, dass meine Segeltage auf dem Meer vorerst vorüber seien.

 

Das war im September 2016 nach drei wunderbaren Sommerhalbjahren unter Segeln im Mittelmeer. Meine Partnerin hatte gerade entschieden, wieder ein Landleben aufzunehmen. Zur Standortbestimmung ging ich nach Kalifornien zum Meditieren über den Winter. Im Frühling war das Boot noch immer nicht verkauft und ich entschied nochmals einen Sommer im Mittelmeer zu segeln. Unterwegs mit Familie und Freunden, aber auch um alleine auf dem Meer zu sein. Ich fand heraus, dass gerade dies mir gefiel: Auf dem Meer segeln, ankommen war nebensächlich.

 

Die kühlen Herbsttage 2017 kamen und abermals stellte ich mein Boot zum Verkauf und verbrachte zehn Monate im Retreat. Das Boot wurde wieder nicht verkauft und ich entschloss mich zu einem Kurztörn an der Côte d'Azur im September 2018 als Vorbereitung für den stürmischen Oktobertörn von Marseille nach Tunis und zurück. Zum dritten Mal versuchte ich es mit verkaufen über den letzten Winter. Mein Rückenleiden schien mich zusätzlich überzeugen zu wollen, dass es die richtige Entscheidung sei. Aber... vielleicht errätst du ja die Antwort.

 

Trotz aller Widrigkeiten hatte ich das Gefühl, dass meine Gelegenheit dieses wunderbare Boot segeln zu können noch nicht vorbei war. So entschloss ich mich, es vom Markt zu nehmen und im laufenden Jahr mit ihm in den Atlantik hinaus zu segeln. Selbstverständlich meldete sich genau dann ein ernsthafter Interessent und Stellen an Land schienen sich anzubieten. Wie wenn sie meine Entscheidung testen wollten!

 

All dies tönt nun vielleicht, wie wenn ich wüsste, was ich will und Entscheidung mit Leichtigkeit fällen würde - nichts liegt ferner der Wahrheit! Wie entscheidet man sich eigentlich für irgendetwas? Bei mir fühlt es sich bildlich gesprochen so an, dass ich endlos lang in der Flaute sitze und die Wellen meiner Gedanken mich hin und her werfen, aber ohne einen Windhauch, der mir eine Richtung geben würde. Es ist interessant aber auch beunruhigend den Prozess der Entscheidungsfindung zu erkunden, wenn es den denn wirklich gibt. In meinem Fall machte es mich bescheidener und liess mich verstehen, dass ich nicht viel daran wirklich selber kontrolliere. 

 

Nun sind es noch ein paar Tage vor der Abfahrt aufs Boot. Zwei Monate nach einer gut verlaufenen grossen Rückenoperation verabschiede ich mich von Familie und Freunden, lagere meine Sachen ein, vermiete meine Wohnung und all die anderen Dinge, die dazu gehören ein Landleben einzupacken. Wieder schleppe ich Ausrüstung und Bücher zurück aufs Boot, drücke die Daumen, dass alle in Auftrag gegebenen Arbeiten professionell und termingerecht ausgeführt wurden und erwarte noch etwa zehn Tage Unterhaltsarbeiten für mich, bevor es heisst: 'Leinen los!'

 

Ich weiss, es wird sich gut anfühlen den Wind in den Segeln zu spüren, wie er das Boot krängt, wie das Wasser dem Rumpf entlang gurgelt und wie die Sonne mir die Haut wärmt. Aber was dann? Vieles kann geschehen und was sich in den letzten Jahren verändert hat, ist, dass ich nicht mehr so grandiose Pläne mache, max. sechs Monate voraus schaue. Manchmal ist das herausfordernd oder gar angsteinflössend diese Unberechenbarkeit einer Seereise anzunehmen. Sie lockt mich aber auch sehr, will erkannt und respektiert werden.

 

Für die technisch Interessierten habe ich nach diesen doch sehr persönlichen Notizen noch einige der Projekte der letzten Monate aufgeführt.

 

Stehendes Gut

Damit sind all die Drähte gemeint, die den Mast daran hindern, umzufallen. Nach Rücksprache mit meiner Versicherung ist mir bewusst geworden, dass diese nach 17 Jahren ihr Ablaufdatum bereits überschritten haben. Nun werden alle Niro-Drähte und Wantenspanner ersetzt. Zusätzlich ändern wir das Rollgross dahin gehend, dass wir alle Leinen ins Cockpit zurück führen. Das Reffen des Grosssegels ist nun ohne verlassen des Cockpits möglich.

Rettungsinsel

Auch die selbst aufblasende Rettungsinsel ist in die Jahre gekommen und wird durch eine neue Plastimo Transocean für sechs Personen ersetzt.

Luken

Die Dichtungen der drei Decksluken fingen an, bei schwerer See oder Regen zu lecken, was für nasse Kojen sorgte. Neben den Dichtungen haben wir auch gleich die trüb gewordenen Acryl-Fenster ersetzt.

Anker

An einigen windigen Ankerplätzen hat unser 25kg Delta-Pflug-Anker genau das gemacht: gepflügt! Nebst dem Schaden für den Meeresgrund lässt einen dieses Wissen nicht wirklich ruhig schlafen. Deshalb habe ich mich entschlossen, auf einen Anker der neuesten Generation zu wechseln. Nun sind ja Anker so etwas wie eine Religion unter Seglern und unter all den Meinungen und Tests einen auszuwählen war nicht einfach. Der Spade 140 wiegt 33kg und hat eine sehr viel grössere Flukenfläche, was eine stärkere Haltekraft bringt. Jetzt hoffe ich nur noch, er passt auf den Bug...

 

Daneben wir der Rumpf wie jeden Frühling auf Hochglanz poliert, eine neue Verbraucherbatterie erweitert die verfügbare Kapazität und ganz besonders freue ich mich auf das Abstossen der überstehenden Silikonfugen im Teakdeck auf den Knien!

 ;-)

 

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